Renner aus Südamerika

Als natürlicher Zuckerersatz ohne Kalorien erregt Stevia seit knapp einem Jahr Aufsehen auf dem deutschen Ernährungsmarkt. Er soll etwa 300-mal mehr süßen als Kristallzucker. Gewonnen wird der Süßstoff aus einer in Südamerika beheimateten Pflanze. Im brasilianisch-paraguayischen Grenzgebiet werden Stevia-Blätter von den Ureinwohnern schon seit mehreren Jahrhunderten zum Süßen von Speisen verwendet.

Auch Stiftung Warentest hat sich bereits mit Stevia-Produkten auseinander gesetzt. Das abschließende Urteil lautet, dass Stevia beim Kalorien sparen hilft, aber häufig den Eigengeschmack verfälscht. Der Beigeschmack wird als leicht bitter beschrieben. Aus diesem Grund enthalten viele mit Stevia gesüßte Lebensmittel nur kleine Mengen des Extrakts und werden zusätzlich mit konventionellen Süßstoffen oder Zucker angereichert. Trotz der geringen Menge haben Produkte mit Steviasüße ein Viertel bis die Hälfte weniger Kalorien.

Stevia
Stevia dient als Zuckerersatz und hat quasi keine Kalorien. (Bild: Heike Rau/fotolia)

Das Geheimnis von Stevia

Die in der Stevia-Pflanze enthaltenden Stoffe werden Steviolglykoside genannt. Ihre süßende Wirkung wird über die Zunge aufgenommen. Die Kalorienarmheit von Stevia kommt zustande, da der Körper Steviolglykoside kaum verarbeiten und somit auch keine Energie aus ihnen ziehen kann. Neben der kalorienarmen, süßenden Wirkung verursacht Stevia -im Gegensatz zu Zucker- kein Karies und ist für Diabetiker geeignet.

Der Stevia-Süßstoff basiert zwar auf einer aus der Natur stammenden Pflanze, der in Deutschland zugelassene Extrakt kann aber nur durch chemische Verfahren gewonnen werden. Deswegen handelt es sich bei Stevia nicht um ein Naturprodukt und somit auch nicht um einen natürlichen Zuckerersatz.

Als E 960 in Lebensmitteln

Nach Europa gelang Stevia Ende des 20. Jahrhunderts. Der schweizer Botaniker Moises Giacomo Bertoni beschäftigte sich näher mit der Pflanze und gab ihr den Namen Stevia Rebaudiana Bertoni. Was als Honigkraut oder Süßkraut übersetzt wird. Außerdem beschrieb Bertoni die süßende Wirkung der Pflanze.

In Deutschland und Europa war Stevia lange Zeit nicht erlaubt, da es Bedenken bezüglich krebserregender und potenzhemmender Wirkungen gab. Nachdem dieser Verdacht nicht bestätigt werden konnte, ist der Stevia-Extrakt seit Dezember 2011 in Deutschland zugelassen. Als Zusatzstoff E 960 ist er in Supermarktregalen zu finden. Da noch nicht alle Unschädlichkeitsnachweise für die anderen Inhaltsstoffe der Blätter vorliegen, bleiben diese in ihrer reinen Form vorerst weiterhin verboten.

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