Der neue Trend

Wenn ein Läufer Knieprobleme bekommt und bei Experten Rat sucht, wird ihm gesagt: Kauf dir einen Schuh mit besserer Dämpfung. Bei manchen Läuferschuhen liegen daher zentimeterdicke Schichten Gel oder Silikon zwischen Asphalt und Fuß. Das dämpft und federt das Aufkommen ab.

Die neue Natural Running-Methode setzt dagegen vollkommen auf die natürliche Struktur und Bewegung des Fußes. Ohne überflüssige Dämpfung muss ein Schuh beschaffen sein, fast wäre Barfußlaufen am besten. Führende Hersteller haben die Marktlücke erkannt und schließen sie durch das Segment leichten, ungedämpften Schuhwerks. Dieses machten im Jahre 2011 knapp 15 Prozent aller verkauften Schuhe aus – mit steigender Tendenz. Der Trend ist also auch in Zahlen belegbar.

joggende Frau
Natural Running gilt als neue Trendsportart. (Bild: fotolia.de/Warren Goldwain)

Was bisher geschah

Was bisher galt, klingt logisch. Man ging davon aus, dass durch die Belastung beim Laufen die Bänder, Sehnen und Gelenke überansprucht werden und dadurch orthopädische Probleme entstehen. Experten gingen unisono davon aus, man müsse mit der Ferse aufkommen und dann über den ganzen Fuß abrollen. Diese Annahme führte dazu, dass besonders der Rückfußbereich stark gedämpft wurde. Ob mit Gel oder Luftkissen, der gedämpfte Bereich wurde in der Regel höher, als der Vorfußbereich – eine starke Fersensprengung.

Im Laufe der Zeit wurde allerdings festgestellt, dass Menschen natürlicher mit dem Mittelfuß aufkommen. Diese Methode ist für Langstreckenläufe besser geeignet, weil sie nicht den Schwung raubt, aber auch nicht so viel Kraft kostet, wie das Aufkommen mit den Ballen (wie beim Sprinten).

Die Hersteller gingen hernach dazu über, den Mittelbereich zu stützen und ein Aufkommen mit diesem zu erzwingen. Manche Schuhe sind schon fast so geformt, dass ein Läufer automatisch nach vorn abrollt. Eine natürliche Belastung des Bewegungsapparats und ein selbstständiges Abfedern wurde abtrainiert.

Was Natural Running ändern will

Natural Running will diesem Trend entgegenwirken. Durch Beobachtung von Babys, die noch einen natürlichen Gang pflegen, fand man heraus, wie ein natürliches Laufen stattzufinden hat – gänzlich ohne Dämpfung. Das passende Schuhwerk reicht von normalen Laufschuhen, bloß ohne Gel und Fersensprengung, bis hin zu hauchdünnen „zweiten Häuten“. Experten wie beispielsweise Arzt und Buchautor Dr. Matthias Marquardt versuchen das in Seminaren zu vermitteln. Der menschliche Fuß hat sich schließlich evolutionär geformt, damit er optimal funktioniert.

Laufexperte Dr. Marquardt
Laufexperte Dr. Marquardt beim Trainieren ohne Schuhe (Bild: Björn Hänssler)

Gegner des Natural Runnings kritisieren allerdings, dass unsere häutigen Untergründe wie Asphalt nicht zum Barfußlaufen geschaffen seien. Zusätzlich haben sich die meisten Menschen über Jahre eine Dämpfung durch Schuhe angwöhnt. Ein Wechsel kann gesundheitliche Probleme hervorrufen.

Beide Meinungen klingen plausibel. Vollends erforscht ist leider noch keine Variante. Daher sollte jeder individuell auf seine Bewegungen achten und gegebenenfalls unterschiedliche Schuhe ausprobieren. Gesichert ist nur, dass eine schlechte Lauftechnik am häufigsten zu Problemen führt, und zwar mit oder ohne Dämpfung.

Bewerte diesen Beitrag