Vom Wald auf die Straße

David Belle lernte in den französischen Wäldern der späten 80er Jahren von seinem Vater die militärische Form des Hindernisparcours. Daraufhin übertrug er die sogenannte Méthode Naturelle auf den städtischen Raum eines Pariser Vorortes. Dies war die Geburtsstunde von Parkour. Ziel ist es, die menschlichen Bewegungsmöglichkeiten auszureizen und sie immer wieder neue Grenzen überwinden zu lassen.

Die Hindernisse sollen so schnell und effizient wie möglich passiert werden, auch die Ästhetik spielt eine wesentliche Rolle. Im Grunde einfache Bewegungen wie Laufen, Klettern oder Springen führen den Parkour-Läufer durch komplexe und schwer zu überwindende Hindernisse an seine Grenzen, worum es im Parkour maßgeblich geht. Auch die Wand eines Hochhauses kann solch ein Hindernis sein.

Parkour Sprung
Bei Parkour kommt es darauf an, die eigenen Voraussetzungen richtig einzuschätzen. (Bild: Ja-hatten/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Körper und Umgebung im Einklang

Nicht nur die körperlichen Grenzen sollen erkannt und überwunden werden, auch die durch die Umwelt bereitgestellten Barrieren gilt es zu bezwingen. Dafür bedarf es neben Kreativität vor allem Geschick und Körperbeherrschung, was nur durch ein hartes und kontinuierliches Training zu erreichen ist. Da das Verletzungspotential bei Parkour sehr hoch ist, müssen die Bewegungsabläufe perfektioniert und automatisiert werden.

An große Hindernisse kann sich ein Traceur nur sehr langsam herantasten, indem er seine Fähigkeiten richtig einschätzt und nach und nach die Schwierigkeitsstufe erhöht. Die rücksichtsvolle Verschmelzung der Bewegung des Sportlers mit seiner Umwelt sowie die Herausforderung an sich selbst stehen im Vordergrund. Wer mit seinen Sprüngen beeindrucken will, verfehlt die Grundsätze der künstlerischen Ausdrucksform Parkour.

Zwei Seiten der Kunst

An Parkour verdeutlicht sich, dass jede Kunstform, die ursprünglich nur sich selbst dient, kommerzialisiert werden kann, wenn sie nur ausreichend Potential dafür bietet. David Belle gründete eine Organisation, die sich um die öffentliche Präsentation und Entwicklung seiner Sportart bemühen sollte, entfernte sich jedoch wieder von ihr, als diese eine Wettbewerbsreihe plante.

Parkour versucht auf künstlerische Art, den privaten und häufig geschäftlich genutzten Raum zurückzuerobern, wurde dann allerdings selbst kommerzialisiert, hauptsächlich von der Film- und Werbeindustrie. Einerseits bot dies für viele Parkour-Sportler die Gelegenheit, eine Karriere auf ihrer Leidenschaft aufzubauen. Andererseits verliert der Grundsatz, Parkour nicht zur Darstellung des eigenen Könnens zu betreiben, hierdurch mehr und mehr an Bedeutung.

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