Zu wenig Schlaf macht dick

Das ein Zusammenhang zwischen Schlafgewohnheiten und Körpergewicht besteht, ist schon längere Zeit bekannt. Schon im Jahr 2006 fanden Forscher der Case Western Reserve University in Cleveland heraus, dass Kurzschläfer, also Menschen mit weniger als sechs Stunden Schlaf pro Nacht, bei gleicher Kalorienaufnahme dicker werden als Langschläfer, obwohl Kurzschläfer tagsüber aktiver sind und sich fast ein Drittel mehr bewegen. Damals füllten fast 70 000 Frauen mittleren Alters in einem Zeitraum von 16 Jahren acht Mal Fragebögen aus. Unter anderem machten sie darin Angaben zu ihrem Gewicht und ihrem Schlafverhalten.

Das Ergebnis: Schlafmangel fördert offensichtlich Adipositas. Schon zu Beginn der Studie waren die Teilnehmerinnen umso schwerer, je weniger Schlaf sie hatten, am Ende verstärkte sich diese Tendenz noch weiter. Das Risiko für Adipositas ist bei Kurzschläferinnen um bis zu 15 Prozent erhöht, selbst wenn diese täglich nicht mehr Kalorien aufgenommen hatten als Langschläferinnen. Für die Wissenschaftler stand fest, dass nur Schlafmangel die Ursache für die Gewichtszunahme sein konnte. Zu einem ähnlichem Ergebnis kamen auch Wissenschaftler der Laval-Universität in Quebec im Jahr 2008. Sie fanden heraus, dass Kurzschläfer innerhalb einer sechsjährigen Studie ein 27 Prozent höheres Risiko hatten, fünf Kilogramm zuzunehmen als Normalschläfer mit sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht.

Schlafmangel führt zu Übergewicht
Schlafmangel ist eine Ursache für Übergewicht (Bild: Dan Race/ Fotolia.com)

Abbau der Fettzellen wird gestört

Nun kam eine neue Studie der Universität von Chicago erstmals den biochemischen Zusammenhängen zwischen Schlafmangel und Übergewicht auf die Spur. Die Schlafforscher und Biologen fanden heraus, dass der Körper Ruhe braucht, um Fett und Zucker zu verarbeiten. Andernfalls kommt es zu Beeinträchtigungen des Stoffwechsels. Bei zu wenig Schlaf können Fettzellen schlechter auf das Hormon Insulin reagieren, welches den körpereigenen Energiehaushalt steuert.

In der Studie, mit der verhältnismäßig kleinen Teilnehmerzahl von sechs Frauen und einem Mann im durchschnittlichen Alter von 23,7 Jahren, wurden die Probanden acht Tage und Nächte lang untersucht. In vier Nächten durften sie 8,5 Stunden schlafen, in weiteren vier Nächten wurde die Schlafzeit auf 4,5 Stunden reduziert. Dabei fand im gesamten Untersuchungszeitraum die gleiche Kalorienaufnahme bei gleicher körperlicher Aktivität statt. Das Ergebnis: Die Empfindlichkeit der Fettzellen auf Insulin sank um bis zu 30 Prozent nach den vier Nächten Kurzschlaf. Diese Werte entsprechen denen von Übergewichtigen und Diabetikern. Die Änderung der Werte war bei allen sieben Versuchsteilnehmern feststellbar. Wer sein Gewicht halten oder gar reduzieren möchte, sollte deshalb nicht nur auf Bewegung setzen, sondern auch ausreichend schlafen, um den Stoffwechsel anzukurbeln.

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